Wie geht es weiter? Machtspiele bei den Salzburger Festspielen: Das Königsdrama beim renommiertesten Klassikfestival Europas geht in die nächste Runde. Nun, da Intendant Markus Hinterhäuser die ihm gesetzte Frist ungenutzt verstreichen ließ, ist guter Rat teuer und die Mitglieder des Kuratoriums der Salzburger Festspiele sind unter Zugzwang. Neben der Führungsdebatte rund um die künstlerische Intendanz, die Nachfolge von Festspielpräsidentin Kristina Hammer sowie die dringend notwendige Ausschreibung der Schauspielleitung sorgen auch die Umbaupläne im Festspielbezirk für Kritik. Auf insgesamt knapp 500 Millionen Euro sind die veranschlagten Kosten für beide Bauphasen des Projekts mittlerweile angewachsen. Der "kulturMONTAG" war in Salzburg, hat die Baustelle im Berg sowie die geplanten Ersatz-Spielstätten besucht und bei der Kuratoriumssitzung am Freitag nachgefragt. Was darf Kunst? Die russische Kulturpolitik im In- und Ausland: Seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich die Kulturlandschaft in Russland drastisch verändert. Es herrscht Zensur, politische und gesellschaftliche Kritik ist aus Theatern, Filmen und Museen so gut wie verschwunden. Präsident Wladimir Putin nützt die Kulturpolitik, um mit Dekreten den Patriotismus, die nationale Identität sowie traditionellen Werte zu fördern und Russland vom Westen abzugrenzen – im Land herrscht ein regelrechter Boom um russische Folklore und Volkskunst. Und außerhalb? Zum ersten Mal seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine will Russland heuer wieder an der Kunstbiennale in Venedig teilnehmen. Umgehend hat die russische Aktivistinnen-Gruppe Pussy Riot Proteste angekündigt. Die EU-Kommission stellt die geplanten Zuschüsse von rund zwei Millionen in Frage und die italienische Regierung prüft die Möglichkeit, den russischen Pavillon "einzufrieren" – ähnlich wie es mit russischen Vermögenswerten wie Jachten, Luxusvillen und Bankkonten nach der Invasion der Ukraine vor vier Jahren getan wurde. Doch geht man damit zu weit? Biennale- Präsident Pietrangelo Buttafuoco hält mit dem Argument der künstlerischen Freiheit dagegen. Der "kulturMONTAG" fragt: Wie politisch darf – wie politisch muss Kunst sein? Braucht Kunst Grenzen? Das Wiener Aktionismus Museum und die Debatte um Otto Muehl: Das "Wiener Aktionismus Museum" (WAM) wird nach einer Umbauphase am 25. März mit einer Einzelschau zum Frühwerk von Hermann Nitsch wiedereröffnet. Weil WAM-Geschäftsführer Klaus Albrecht Schröder ab Herbst auch das Spätwerk von Otto Muehl zeigen will, ist eine heftige mediale Debatte darüber entbrannt, ob man dessen Werke überhaupt ausstellen darf und wenn ja, in welcher Form. Der damals von Kunst, Politik und High Society noch hofierte Aktionskünstler hat am Friedrichshof im Burgenland in den 1970er Jahren Minderjährige sexuell missbraucht und wurde 1991 dafür zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Für Kritiker, wie die Gruppe "Mathilda", darf im Kontext von Missbrauch entstandene Kunst von Muehl nicht ohne Hinweise darauf gezeigt werden. Dessen Werke will die Gruppe nicht als Kunst, sondern als "Artefakte" verstanden wissen. Klaus Albrecht Schröder will keine Bilder zeigen, auf denen Opfer von Muehl abgebildet sind, für den Rest könne man das Werk von der Person des Künstlers jedoch trennen. Der "kulturMONTAG" fragt: Wo hat die Freiheit der Kunst ihre Grenzen?